Erdogan warnt vor Anpassung

Sonntag, 10. Februar 2008

Der türkische Ministerpräsident Erdogan fordert von Deutsch-Türken richtigerweise, dass sie sich integrieren müssen, wobei das Erlernen der deutschen Sprache ganz vorne steht. Niemand dürfe assimiliert werden. Das mag richtig sein. Niemand darf verlangen, dass jemand, der nach Deutschland kommt, seine Herkunft vergessen muss und purer Deutscher werden muss. Gleichzeitig weicht er aber von der Integrationsvorstellung ab:

So fordert er türkische Schulen in Deutschland, an denen türkisch unterrichtet werden soll. Wie ich bereits darstellte, hat dies alles andere als Integrationswirkung.

Nehmen wir dann mal einen ‘Türken’ der dritten Generation in Deutschland. Ich sehe in solch einer Person bereits auch einen Deutschen, der gleichzeitig eine türkische Abstammung hat. Er lebt also beide Kulturen. Er ist sozusagen Deutscher und Türke, wobei ich ihn eher als Deutschen sehe, aber die genaue Gewichtung sei ihm selbst überlassen, jedenfalls ist er auch Deutscher.
Was aber sagt Erdogan? Ja, er sagt „Wenn ihr die Landessprache nicht sprecht, ist das ein Nachteil.“ Richtig. Aber er spricht von „die Landessprache“. Wenn er von „eure Muttersprache“ spricht, meint er Türkisch. Das ist Falsch. Deutsch ist nicht nur „die Landessprache“ von dort, wo man lebt. Es hört sich an, als sei es nur eine formale Notwendigkeit, deutsch zu sprechen. Für jemanden, der in der dritten Generation hier lebt, ist Deutsch ebenso eine Muttersprache, wie Türkisch, wenn man diese Person als integriert sehen will. Er kann sich sogar entschlossen haben, Deutsch über Türkisch zu gewichten.
Er unterscheidet auch immer zwischen „wir Türken“ und „die Deutschen“. Vor allem „die Deutschen“ hört sich auch sehr danach an, als wenn ein Türke nicht gleichzeitig Deutscher sein kann. Er grenzt bewusst ab.
Das ist genau, was ich meine. Für einen ‘Türken’ der dritten Generation gibt es kein ‘nur Deutscher’ oder ‘nur Türke’. Die Person hat niemals in der Türkei gelebt, trotzdem wird er von Erdogan ausschließlich als Türke eingestuft.
ME auf die Spitze treibt er es mit „Ihr lebt zwar in Deutschland. Aber ihr seid Türken und ich bin euer Ministerpräsident.“ Das mag für solche Türken stimmen, die vorübergehend hergezogen sind. Aber für solche Türken, die in Deutschland Fuß fassen wollen und integriert werden wollen und sollen, insbesondere für ‘Türken’ der Dritten Generation, spricht er damit jede deutsche Eingliederung ab. Es sind eben nicht mehr nur Türken, die zufällig in Deutschland leben. Es sind auch Deutsche.

Wer assimiliert hier wen? Erdogan assimiliert Deutsch-Türken zu puren Türken und spricht ihnen jeden Integrationserfolg ab. Seine Aussagen hören sich nicht nach Integration an. Sie hören sich eher nach einem Integrationsverbot an.

Ihr, Euer
M a i k


Ausländische Schulen?

Freitag, 8. Februar 2008

Der türkische Ministerpräsident Erdogan fordert türkische Schulen und eine türkische Universität in Deutschland, in denen auf türkisch unterrichtet werden soll. Was ist davon zu halten?

Ich sehe darin ein großes Integrationshindernis. Ich möchte meine Darstellung nicht auf türkische Schulen beschränken, sondern meine allgemein ausländische, seien es amerikanische, polnische, russische oder japanische.

Ich sehe viele ausländische Familien auf der Straße in ihrer Heimatsprache sprechen. Dann ist es doch gerade gut, wenn die Schüler in der Schule deutsch reden müssen, deutschsprachige Freunde finden und somit auch in der Freizeit etwas deutsch sprechen. Dieses Erlernte, was nicht nur bei der Sprache Halt macht, bringen sie dann vielleicht sogar nach hause. Mit ausländischen Schulen würde ich es anders sehen: Zu hause Muttersprache, in der Schule Muttersprache, Freunde in der Muttersprache, Freizeit Muttersprache (und jeweils natürlich primär heimatliche Kultur). Vielleicht 1-2 mal die Woche Deutschunterricht an der Schule. Aber wir sehen ja, wie toll unser Englischunterricht schon ist.

Wie soll sich nun eine Person,  die zu hause, in der Schule, in der Freizeit, in der Uni nur die Muttersprache gesprochen hat, danach auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewähren? Soll der Arbeitgeber jetzt die Muttersprache des Bewerbers lernen? Und wenn man dann nur heimatliche Kultur erlebt hat, wird es schwer, sich hier heimisch zu fühlen.

Und was für ein Abschluss  soll da erworben werden? Ein Abitur oder der heimatliche Abschluss? Ein deutsches Abitur sehe ich erschwert, so würde an einer amerikanischen Schule sicherlich im Rahmen des Möglichen die dortigen Standards übernommen werden.
Natürlich, hat man 12 Jahre lang zB türkische Schule und einen türkischen Abschluss hinter sich, dann kann man sehr leicht in der Türkei Fuß fassen. Warum sollte aber ein Türke nach Deutschland kommen, hier eine türkische Schule besuchen, um dann wieder in die Türkei zu gehen? Ich denke, wer nach Deutschland kommt, möchte hier Fuß fassen. Und das geht mE nicht, wenn die Person eine gänzlich andere Bildung genießt, als hier Standard ist insbesondere in einem hier untypischen Umfeld.

Wobei ich auch bei unseren Standard nicht verstummen möchte. Für die Integration, ja für das ganze Bildungssystem, sehe ich es recht hinderlich, wenn innerhalb Deutschlands 16 verstückelte Bildungsstandards nebeneinander existieren und dann vielleicht noch Privatschulen für Reiche, die sich für was besseres halten und einen Klassenunterschied schaffen. Aber all die Schulen haben wenigstens gemeinsame Grundlagen.

Für eine einheitliche Bildung für alle Deutschen und Nichtdeutschen bedarf es mE ein einheitlichen Bildungsstandard in Deutschland und keine Privatschulen, die reich und arm trennen, keine 16 Landesbildungssysteme, die die regional trennen und keine ausländischen Schulen, die herkunftsbedingt und sprachlich trennen.

Ihr, Euer
M a i k