zum Koalitionsvertrag, part 2: Überwachung

Montag, 26. Oktober 2009

Gestern hat die FDP mit überragender Mehrheit den Koalitionsvertrag angenommen. Dann ist jetzt eine gute Gelegenheit, eines der großen Versprechen der FDP aus der Wahl zu betrachten, wie dieses im Koalitionsvertrag umgesetzt wurde. Im Wahlprogramm der FDP hieß es jedenfalls gleich auf Seite 2:

Dazu gehört auch, die Freiheiten zu verteidigen, die wir heute in Deutschland selbstverständlich genießen. Wir sind nicht dazu bereit, Bürgerrechte für eine trügerische Sicherheit aufzugeben. Wir Liberale stehen für eine Politik, die vom Respekt vor den Bürgerrechten und der Verfassung geprägt ist.

Aber ist zB die Internetzensur verbannt worden? In den Zeilen 4830 bis 4851 des Koalitionsvertrages wurde festgeschrieben, dass die Internetsperre um ein Jahr verschoben wird, um dann zu evaluieren, ob sie notwendig ist. Da kommt mir nur eines in den Sinn: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Das Gesetz, welches eine Zensurinfrastruktir errichtet, ist nicht aus der Welt. Und mal ganz ehrlich: In einem Jahr, wird man natürlich zu dem Ergebnis kommen, dass das Löschen nicht ausreicht. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass in einem Jahr die Ermittlungsbehörden kaum besser ausgestattet sind als heute und dementsprechend natürlich Löschen kaum erfolgreicher wird. Also meine starke Vermutung ist: In einem Jahr tritt die Internetsperre in Kraft. Das ist schließlich billiger, als ordentlich zu ermitteln.

Und was wird aus der Vorratsdatenspeicherung? In den Medien kursiert ja die Aussage, die wurde in Ketten gelegt. Also wer auch immer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, der hat den Koalitionsvertrag nicht gelesen, denn da steht klipp und klar:

Vorratsdatenspeicherung
Wir werden den Zugriff der Bundesbehörden auf die gespeicherten Vorratsdaten der Telekommunikationsunternehmen bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Verfassungsmäßigkeit der Vorratsdatenspeicherung aussetzen und bis dahin auf Zugriffe zur Abwehr einer konkreten Gefahr für Leib, Leben und Freiheit beschränken. (Z. 4894 – 4900)

Übersetzt steht dort nichts anderes als: Bis zum endgültigen Urteil des BVerfG werden sich die Bundesbehörden an die einstweilige Anordnung des BVerfG halten. Danach gucken wir mal weiter.
Im Koalitionsvertrag steht nichts von einer Beschränkung der Vorratsdatenspeicherung. Es wird nur das wiedergegeben, was das BVerfG schon lange einstweilig aufgelegt hat. Hier wird etwas als Erfolg der Bürgerrechte verkauft, was faktisch ein Nullum ist. Hätte man den Absatz weggelassen, stünde das gleiche im Raum, aber man hätte Tinte gesparrt.

Auch zum Thema Schutz des persönlichen Lebensbereiches im BKA-Gesetz, Z. 4511 ff., bleibt der Koalitionsvertrag recht vage. Konkrete Maßnahmen werden nicht vorgestellt. Die Koalition will überprüfen ob man etwas optimieren kann und will. Da kann man sich nichts drunter vorstellen. Wenn ich mir jetzt die Aussagen zur Vorratsdatenspeicherung und Internetsperre angucke, kann ich mir allerdings die Überprüfung vorstellen.
Als einzigen Gewinn für die Bürgerrechte, kann man ansehen, dass nunmehr ein Richter des BGH verdeckte Ermittlungen anordnen muss (Z. 4528 ff.). Somit ist wenigstens hier eine gute Richterkontrolle installiert, die die Erforderlichkeitsprüfung – hoffentlich – genau nimmt.

Wir bekennen uns zur Freiheit, zur Freiheit in Verantwortung und Sicherheit. (Z. 4471)

ist der Einleitungssatz zum Abschnitt der Bürgerrechte. Aus diesem kann man mein Fazit bereits herauslesen: Die Unterordnung der Freiheit wurde – entgegen aller Jubellei – so gut wie gar nicht überdacht.


Ungeeignetes Regierungsprogramm

Samstag, 4. Juli 2009

Vor einer Woche hat die CDU/CSU-Führung ihr Regierungsprogramm beschlossen und ich möchte nunmehr einige Worte mehr über dieses verlieren. Einleitend muss ich dabei der FDP zustimmen: „Vage“ und „mutlos“. Diplomatischer kann man die Inhaltslosigkeit in vielen Fragen nicht formulieren. An anderen Stellen zeigt das Programm allerdings, dass die Union mE ein sehr antiquertes Menschenbild zu haben scheint. Summa summarum ist dieses Programm mehr als ungeeignet, um unseren Staat gerecht zu führen.

Einige Stellen möchte ich aus dem Programm chronologisch herausgreifen, die für mich klar darlegen, dass dieses Programm ein untragbares Regierungshandeln erwarten lässt. Natürlich gibt es auch Passagen, wenn im großen und ganzen auch recht vage, die man unterschreiben kann. Aber im Ergebnis ist das Gesamtprogramm im Papierkorb besser aufgehoben, ziehen sich die Schatten der negativen, nachfolgend auszugsweise dargestellten, Aspekte weit über das Programm hinaus.

Die Schieflage der öffentlichen Haushalte lässt sich nur durch eine dauerhafte Reformpolitik mit langem Atem korrigieren.

Im ganzen Abschnitt legt die Union allerdings nicht offen, wie sie sich diese wirklich wichtige Reform vorstellt. Sie legt das Problem dar, bleibt einen Lösungsvorschlag allerdings schuldig. Was soll hier der Wähler erwarten? Hier, wie auch an anderen Stellen des Programms, muss der Wähler wohl die Katze im Sack kaufen.

Wissenschaft braucht klare ethische Einbettung und Orientierung. Das gilt gerade für die moderne Bio- und Gentechnologie. Die Auseinandersetzung über ethische Grenzen der Forschung muss sachlich und in der Überzeugung, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb forschungsfreundliche Rahmenbedingungen braucht, geführt werden. So werden gesellschaftlich Vertrauen und Akzeptanz geschaffen. Deshalb brauchen wir Sicherheitsforschung in umstrittenen Forschungsbereichen, insbesondere in der grünen Gentechnik.

Schön. Ja, Erforschung (die „Wir müssen für das Problem eine gemeinsame Lösung finden“-Floskel, die iE nichtssagend ist, betrachte ich erst gar nicht) von Technik, die den Verbraucher stark betreffen, ist sehr wichtig. Aber das Ergebnis wird morgen noch nicht auf dem Tisch liegen. Also: Was ist solange? Der Verbraucher möchte vielleicht wissen, worauf er sich solange einlässt? Ein vollständiges Verbot und dabei eventuell ein verschenktes Potenzial? Oder erst einmal frei machen lassen, soweit keine Gefahr bekannt ist? Und wie soll dann mit dem Ergebnis der Forschung verfahren werden? Wer darf sie nutzen? Wird die neue Technologie, dessen Erforschung vom Staat unterstützt wurde, so sie sich als brauchbar herausstellt, für jedem Landwirt zB freigegeben sein oder muss er wahnwitzige Lizenzen für das Produkt kaufen?

Orientierungsmaßstäbe sind dabei die berechtigten Erwartungen und Mobilitätsbedürfnisse der Bürger, die Erfordernisse der Wirtschafts- und Logistikabläufe sowie Nachhaltigkeit.

Das sagt die Partei, die die Privatisierung der Bahn, dem wohl wichtigsten Verkehrsmittel, voranbringen will. Natürlich verlangt die Union, dass die Strecken in Staatshand bleiben sollen. Das muss man ihr zugute halten. Aber was nützt eine Strecke zwischen zwei Dörfern, wenn sich kein Unternehmen findet, welches diese befahren will, weils mehr kostet als einbringt?

Die weltweite Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise hat deutlich gemacht, dass die internationalen Märkte eines weltweiten ordnungspolitischen Rahmens bedürfen, der mit den Innovationen auf den Finanzmärkten Schritt hält.

Eigentlich müsste ich hier das ganze Kapitel zitieren. Aber den geneigten Leser möchte ich der Einfachheit halber einfach das selbstnachlesen nahelegen. Insgesamt passt hier die von der FDP gewählten Bezeichnungen „vage“ und „mutlos“ziemlich gut. Da soll etwas zusammengefügt werden, dort soll etwas transparent werden, Standards gesucht, Zusammenarbeit gefunden werden. Aber mit welchem Forderungen will die Union konkret in die Zusammenarbeit gehen? Wo sind ihre Ausgangspunkte? Wofür will sich die Union konkret stark machen? Doch wohl mehr als die paar dargestellten Schönheitsreparaturen. Bei den konkreten Fragen, muss der Wähler aber erneut die Katze im Sack kaufen, wählt er die CDU/CSU.

Wir stehen für eine effektive und effiziente Arbeitsmarktpolitik,

die im Weiteren jedoch ziemlich unkonkretisiert bleibt.

Auf der Grundlage unseres christlichen Menschenbildes ermöglichen wir jedem Mensch das
Recht auf die freie Entfaltung seiner Person.

Das ist ein Widerspruch in sich. Jeder darf sich entfalten, aber nur, solange er sich an die christlichen Grundlagen hält? Und ich hoffe mal, das „unser“ steht nicht für die Deutschen, von denen 1/3 nicht christlich sind (die Scheinchristen unbetrachtet gelassen), sondern allenfalls für ihre eigene Partei. Hier zeigt sich schon klar, wie antiquert das Menschenbild der CDU/CSU ist… Politik nach christlichen Vorgaben. Schon mal was von Neutralitätsverpflichtung gehört? Die Politik darf sich eben nicht an den Vorgaben von Religion und Kirche halten, sie muss sich an die ethischen Vorgaben aller Menschen, wie sie auch in unseren Grundrechten und den Menschenrechten Niederschlag gefunden haben, festnageln lassen.

CDU und CSU wollen die Gleichberechtigung von Frau und Mann in allen Phasen ihres Lebenslaufs in einer partnerschaftlichen Gesellschaft verwirklichen.

Ein lobenswertes Ziel. Gleichberechtigung. wenn die Union am Ende nicht wieder in ihrem antiquierten Menschenbild zurückfallen würde:

Wir wollen die Zugangsschwelle gewaltbetroffener Frauen zu Hilfsangeboten senken und ihnen durch die Einrichtung einer bundesweiten Notruftelefonnummer die Erstberatung anbieten. CDU und CSU messen der Arbeit der Frauenhäuser und anderer Unterstützungsangebote für von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder große Bedeutung bei.

Wieder wird das leidige Bild verbreitet, es sind nur die Frauen, die Opfer von Gewalt in den Familien werden. Wieder wird verschwiegen, dass Frauen ebensooft Täter und nicht Opfer sind (vgl. Focus 41/08 S. 128). Aber das passt ja nicht ins Bild vom starken und schwachen Geschlecht. Wo will die Union gewaltbetroffenen Männern helfen? Oder geziemt es sich für das „starke Geschlecht“ nicht, Hilfe zu suchen?

CDU und CSU treten dafür ein, dass konfessioneller Religionsunterricht in allen Ländern zum Kanon der Pflichtfächer zählt.

Und im weiteren fordert sie einen Politikunterricht, der unverzichtbar ist. Konsequenterweise müsste der so aussehen: Die Parteien bieten alle einen parteilich orientierten Politikunterricht an und die Eltern entscheiden, den Politikunterricht welcher Partei das Kind zu besuchen hat. Nein, konfessioneller Religionsunterricht ist nichts anderes, als dass der Staat einem beeinflussbaren Kind, ein Kind, das das noch nicht versteht und für bare Münze nimmt, eine Religion = Glaube = Nichtwissen als Wahrheit indoktriniert wird. Nein, Kinder müssen frei von Indoktrination gebildet werden. Werte sind menschlich, von allen Menschen. Sie sollten also die Werte der Menschen kennenlernen und nicht die Dogmen der Kirchen.

Wir wollen den
Wettbewerb zwischen den Hochschulen fördern

Bildung ist keine Ware. Vielmehr sollten die Bedingungen für Studium und Abschluss an allen Universitäten gleich sein. Es kann nicht angehen, wenn im späteren Beruf der Ort auf dem Universitätsabschluss ausschlaggebend ist. Jemand, der aus finanziellen und/oder familiären Gründen nicht an einer „Eliteuni“ studieren kann, darf nicht mit einem minderwertigen Abschluss gestraft werden.

Unter dem Motto „Muslime in Deutschland – Deutsche Muslime“ wurde im Jahr 2006 die Deutsche Islam Konferenz ins Leben gerufen.

Nur führt diese Konferenz nicht die Muslime in den deutschen Staat ein, sondern den Islam. Und keine Religion, weder Islam, noch Christentum noch sonstirgendeine, darf im Staat sein. In dieser Konferenz wird versucht, den Islam auf die Ebene der christlichen Kirchen, die sich schon auf einer übergesetzlichen Höhe befinden, hochzupuschen. Natürlich aus Gerechtigkeitsgründen. Aber Eine Ungerechtigkeit wird nicht gerecht, indem man sie ausweitet. Vielmehr gehören alle Religionsgesellschaften wie jeder Verein behandelt, die Kirchen also von ihrem hohen Ross runtergeholt, statt andere Gemeinschaften hochgesattelt. Dies schließt, das sage ich der Gerechtigkeit wegen ausdrücklich, auch den HVD ein. Auch dieser darf nicht einfach nur auf Kirchenniveau hochgepuscht werden. Aber das wird er ja nicht, Herr Schäuble hat ja ein Gespräch, vergleichbar wie mit den islamischen Vereinen, eh abgelehnt. Gerechtigkeit und Neutralität heißt, niemanden zu bevorteilen.

CDU und CSU setzen sich für einen fairen Ausgleich der Interessen von Künstlern, der Kultur- und Kreativwirtschaft, dem Verbraucher- und Datenschutz sowie der Technologieanbieter ein.

Fairer Ausgleich… und was ist „fair“? Das wird wohl erst nach der Wahl definiert, damit der Wähler darüber erst gar nicht nachdenken muss.

Wir wissen: Die Präsenz der christlichen Kirchen und der vielfältigen mit ihnen verbundenen Organisationen im öffentlichen Raum leistet einen unverzichtbaren Beitrag, die in der christlich-abendländischen Tradition wurzelnden Wertgrundlagen unseres Gemeinwesens zu festigen und an kommende Generationen weiterzugeben. Kirchen und Religionsgemeinschaften leisten mit vielfältigen Verbänden vor allem auf dem Feld der sozialen Dienste, in der Pflege, im Gesundheitswesen und im Bildungsbereich eine hervorragende Arbeit. Am besonderen Verhältnis von Staat und Kirchen im Grundgesetz, wozu die Kirchensteuer gehört, halten wir
deshalb fest. Ausdruck der bewährten Partnerschaft sind auch die Seelsorge an den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr und die theologischen Fakultäten an deutschen Universitäten.

Hier wird, kurz gesagt, die – insbesondere negative – Religionsfreiheit mit Füßen getreten. Die Kirchen haben sich über die Jahrhunderte ein Monopol auf dem Sozialmarkt aufgebaut und werden dafür belobt. Sollten mal die Energiekonzerne versuchen. Aber die Wirtschaft scheint ja wichtiger und muss eher vor Monopolen geschützt werden als der Sozialmarkt. Und dass unsere Werte auf dem Christentum wurzeln, ist eine freche Lüge. Die Werte haben wir Menschen uns selbst gegeben. Frauen mit Vieh in einem Satz gleichzustellen, das würde nicht einmal die Union wagen, aber das sind christliche Werte. Und, wie bereits gesagt, auf dem Bildungsbereich hat die Kirche nichts zu suchen. Glaube hat mit Wissen nix zu tun.
Es ist auch eine Frechheit, dass die Union den Kirchen die Lorbeeren zuschreibt. Ein Großteil der ach so tollen Arbeit der Kirche wird vom Staat, vom allgemeinen Steuerzahler (also auch Atheisten) bezahlt. Die Kirche streicht nur das Lob ein.
Und ein Festhalten an dieser ach so tollen⸮ Beziehung von Staat und Kirche heißt Festhalten an Sonder- und Vorzugsrechte für die Kirchen, die mit nichts zu rechtfertigen sind. Staat und Kirche gehören getrennt, um die Neutralität und die Gleichstellung aller Bürger zu wahren, aber genau das will die Union nach wie vor ignorieren.
Und an Universitäten und in der Bundeswehr sollte der Staat einen neutralen Seelsorger anbieten, der für alle da ist. Den einsatz von religiösen Seelsorgern grenzt nur die Anders- und Nichtgläubigen aus.

Politik muss die Sorgen der Bürger bei grüner Gentechnik ernst nehmen und darf keine unnötigen Risiken eingehen.

Die Union geht auf die oben aufgeworfene Frage nochmals ein… und beantwortet sie nicht… Wieder eine leere Floskel. Und während sie die Patentierung von Kreuzungen von Tieren – löblicherweise – ablehnt, bleibt sie auch in diesem Kapitel eine ANtwort schuldig, was aus regelrecht zusammenprogrammierten Genen von Nutzpflanzen werden soll…

Die Menschen in Deutschland wollen frei und sicher leben. Freiheit und Sicherheit schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander. CDU und CSU wollen, dass Deutschland eines der sichersten Länder der Welt bleibt. Sicherheit ist eine Voraussetzung für Freiheit. Recht und Ordnung durchsetzen und die Freiheit der Bürger schützen – diese Ziele bringt eine bürgerliche Politik in ein vernünftiges Gleichgewicht. Denn nur wer keine Angst hat, kann in Freiheit leben.

Nicht zu vergessen ist dabei, dass viel Angst durch Herrn Schäubles Panikmache entstanden ist. Ansonsten bleibt der Union nur ein Satz in Erinnerung zu bringen: Freiheit schützt man nicht, indem man sie abschafft. Aber diese Seite der Verbindung vergisst die Union ja gerne mal.

Wir erleben heute neue Formen von Bedrohung. Terrorismus [... gehört] zu den größten dieser Bedrohungen.

Wie viele Menschen in Deutschland sind bisher durch Terrorismus gestorben? Wie viele bei Falschbehandlungen im Krankenhaus? Natürlich, Terrorismus ist eine Gefahr, aber das darf keine Panikmache durch den Staat herbeiführen. Wenn wir unsere Freiheiten aufgeben, ob aus übermäßiger Angst oder weil der Staat sie uns nimmt, haben die Terroristen gewonnen.

Wir treten dafür ein, das Fahrverbot oder die Verhinderung des Erwerbs eines Führerscheins als eigenständige Sanktion im Jugendstrafrecht zu verankern und den Anwendungsbereich auf alle Arten von Straftaten zu eröffnen.

Entschuldigung, aber dieses völlig zusammenhangslose Vorgehen ist doch ein Witz, oder?

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.

Hat auch nie einer behauptet. Nur wenn alte graue Herren mit Kugelschreibern sich nicht mit dem Internet auskennen, können diese soetwas glauben. Nein, Internet war nie ein rechtsfreier Raum. Allenfalls mangelte es den Ermittlungebehörden an Mittel, um hier effektiv Straftaten zu verfolgen. Aber jetzt brauchen sie ja nicht mehr Geld, schließlich kann jetzt einfach und billig gesperrt werden. Dass durch dieses von der Union angestrengte Schaffen einer Zensurinfrastruktur, die Straftaten gar nicht entgegentreten können, massive Gefahren für die Freiheiten ausgehen, ist ja allseits bekannt.

CDU und CSU sind für Datenschutz mit Augenmaß. „Schwarzhandel“ mit Adressen, Diebstahl von Daten bis hin zu illegalen Kontoabbuchungen sind die negativen Begleiterscheinungen der legalen Nutzung von Kundendaten. Der Bürger muss darauf vertrauen können, dass seine Daten vor Missbrauch geschützt sind.

Sicher ein lobenswertes Ziel. Aber ich hab weniger Angst vor ungewünschte Werbung als vor einer unberechtigten Rasterfahnrung, in der mein BKA-Profil zufällig hängenbleibt. Und wärend man eine Payback-Karte bei eher heiklen Einkäufen einfach nicht hinlegt, fragt das BKA nicht, ob diese Internetverbindung eben gespeichert werden darf.
Und zum Adresshandel: Schön, wenn der unterbunden wird, aber hoffentlich werden wir Internetnutzer dann auch davon befreit, für jeden sichtbar unsere Adresse auf die Homepages zu stellen. Was nützt ein Adresshandelsverbot, wenn man sich dieser frei bedienen kann, weil der Staat eine Veröffentlichung vorschreibt.

Auch Linksextremisten sind erklärte Gegner unserer freiheitlich demokratischen Staats- und Gesellschaftsordnung. Die Gefahr linksextremistischer Straftaten wird in der Öffentlichkeit unterschätzt. Wir halten an der Beobachtung der extremistischen Strukturen in der Partei „DIE LINKE“ durch den Verfassungsschutz fest.

Entschuldigung, aber gegenwärtig sehe ich mich durch die CDU/CSU in meinen Freiheiten viel mehr bedroht.

Wir stehen zum Dienst unserer Soldatinnen und Soldaten

Die Wehrpflicht ist auch angesichts der neuen Bedrohungen der Sicherheit unseres Landes zukünftig notwendig.

Wo es doch nur Männer sind, die gezwungen werden, Dienst zu leisten. Aber die erste Zeile zeigt auf, dass auch Frauen in der Lage sind, Dienst zu tun. Wie wäre es hier mit der oben so angepriesenen Gleichstellung von Frauen und Männern? Entweder beide oder keinen zwingen… ich wäre für keinen. Aber hier sieht man erneut, dass das „starke Geschlecht“ nicht jammern darf. Aber die Wehrpflicht ist an sich, nicht nur wegen der Geschlechterdiskriminierung, ungerecht und überholt. Es ist Zwangsarbeit, mehr nicht. Ferner agiert die Union hier auch widersprüchlich: Killerspiele und Paintball verbieten wollen, dafür aber zu 9 Monaten Killerspiel und echte Waffen zwingen‽ Und im Ausland, wo die Union wichtige Einsätze sieht, dürfen die Wehrpflichtigen eh nicht ohne Einverständnis eingesetzt werden. Also warum nicht gleich Freiwilligenarmee?

Wir wollen ein Europa, das sich zu seine christlich-abendländischen Wurzeln und den Ideen der Aufklärung bekennt und aus ihnen lebt. Wir halten an unserem Ziel fest, dieses Werteverständnis auch mit einem Gottesbezug im EU-Vertrag deutlich zu machen.

Sie hält damit daran fest, dass der immer mehr wachsende Anteil an Nichtgläubigen mit Füßen getreten wird. Ein Gottesbezug in der Verfassung heißt, jeder Bürger ist diesem Gottesbezug unterworfen. Für mich ist diese Forderung mehr als eine Beleidigung. Und Aufklärung und Christentum ist ein nicht zusammenpassendes Paar.

Erkennbar ist, dass durch dieses Regierungsprogramm eine Vielzahl von Freiheiten der Bürger unnötigerweise beschnitten werden und wirtschaftliche Fragen unbeantwortet bleiben. Daher bleibt nur ein klares Nein hierzu.


Vertrag: USA kriegen unsere Daten

Mittwoch, 12. März 2008

Bundesinnenminister Schäuble und Bundesjustizministerin Zypries haben gestern mit ihren amerikanischen Amtskollegen einen Vertrag unterzeichnet. Dieser soll, man kann es ahnen, der Bekämpfung schwerwiegender Straftaten, insbesondere der Terrorbekämpfung dienen. Ein nobles Ziel? Das Ziel ja, aber die Maßnahmen?

Nach diesem Vertrag soll zB ermöglicht werden, dass dem Vertragspartner ohne ein Ersuchen bei Verdacht einer schwerwiegenden Straftat personenbezogene Daten, die eine Identifikation ermöglichen, übermittelt werden können.

Also einen Verdacht kann man schnell haben. Und ich will nicht, dass noch ein Staat (bereits einer ist viel zu viel) meine Daten bekommt, mit denen ich irgendwo hängen bleibe.

Weiterhin soll die Grundlage für ein Austausch von Fingerabdruck- und DNA-Daten im sog. Hit/No-Hit-Verfahren gelegt werden. Demnach sollen die Vertragspartner einen Fingerabdruck oder DNA-Abdruck in der Datenbank des anderen Partners abgleichen können. Im Falle einer positiven Übereinstimmung werden erneut personenbezogene Daten, die eine Identifikation ermöglichen, übermittelt.

Aber auch datenschützende Regelungen werden aufgenommen. Aber mal ehrlich: Vertraulichkeit wird garantiert, nur wie legen heutige Politiker Vertraulichkeit aus?

Das Problem ist: Wie gehen die USA wirklich mit unseren Daten um? Ich will daran erinnern, dass jeder, der in die USA fliegt, seine Daten zentral speichern lassen muss. Ist man nun dank der Vorratsdatenspeicherung & Co als möglicher Terrorist gelabelt, kann man vielleicht Urlaub in Guantanamo machen und das auf Kosten der USA, denn Terrorverdächtige kriegen da ja keinen Prozess, wo man die Unschuld feststellen könnte. Und da gilt ja auch nicht mehr, man ist unschuldig, bis die Schuld bewiesen ist. Kommen man also dank Vorratsdatenspiecherung & Co in eine Rasterfahndung und wird als Terrorist verdächtigt, wird der nächste US-Besuch vielleicht recht spannend.
OK, ich gebe zu, das ist ein sehr fernliegendes Szenario. Aber wenn ich mir angucke, wie Unschuldige in Guantanamo sitzen (ja, Unschuldige, denn solange ihre Schuld nicht bewiesen ist, sind sie unschuldig), muss ich Angst haben, dass auch weitere unbescholtene Bürger dort landen.

Nimmt man nur den Vertrag, mag noch keine Gefahr bestehen. Nimmt man aber hinzu, wie die ausgetauschten Daten erlangt werden und ggf. benutzt werden, dann sehe ich doch Befürchtungen. Es mögen sehr fernliegende Befürchtungen sein. Aber wenn auch nur ein weiterer Unschuldiger in Guantanamo landet (oder auch nur eine Untersuchung der freundlichen US-Polizisten über sich ergehen lassen muss), ist dieser Vertrag ein sehr großer Fehler.

Ihr, Euer
M a i k


Blau wählen?

Montag, 21. Januar 2008

Blau wählenHeute habe ich ein Wahlplakat entdeckt, bei dem ich den Sinn nicht so ganz finden kann. Erst dachte ich „blau wählen“ währe wohl Wahlwerbung der CSU oder Bayernpartei, die damit halt ausdrücken wollen, man soll für Bayern wählen. Gut, hätte auch nicht mehr Inhalt als deren eigener Name. Aber nein, es war ein Wahlplakat der Republikaner.

Nun hab ich gehört, dass die Republikaner so ähnlich sein soll, wie die NPD oder DVU. Warum also „blau wählen“, also „für Bayern wählen“, wenn es eine Partei ist, die sich, ich will es mal so ausdrücken, „für Deutschland“ einsetzt. Das „blau wählen“ ergab für mich keinen Sinn.

Nun habe ich mal deren Parteiprogramm aufgeschlagen, um vielleicht einen Anhaltspunkt zu bekommen. Das erste und zweite Kapitel wirkte dabei auf den ersten Blick – zT, nicht ganz – gar nicht mal so schlecht. Aber ich kam zu Kapitel 2.4. Im folgenden gehe ich auf einige wenige, mE negative, Punkte ein. Ja, es gibt auch Forderungen, die ich teile, jedoch können selbst viele positive Punkte (wenn es viele gäbe) wenige abscheuliche Punkte nicht wieder gutmachen:

- „Beibehaltung der Wehrpflicht im Rahmen einer allgemeinen Dienstpflicht“
Eine Wehr- oder Dienstpflicht ist eine grundlegende Verletzung der persönlichen Freiheiten (die in Kapitel 1 noch angepriesen werden), eine solche Dienstpflicht ähnelt eher Leibeigenschaft als Freiheit.

- „Vorrang der christlich-abendländischen Kultur – insbesondere des deutschen Anteils – in der schulischen Erziehung“ und „Die christliche Prägung findet ihren stärksten Ausdruck in der abendländischen Kultur als Grundlage von Staat und Gesellschaft“
Europa ist nicht christlich! Die Moral die sich hier entwickelt hat, ist eine menschliche. Christliche Werte sehen anders aus: Todesstrafe für Lapalien; Massenmord; Gewalt; Unterdrückung der Frau pp. Solch eine Wertevorstellung ist untragbar. Und in der Schule haben solche Gschichten nichts zu suchen. Sonst kommt es noch so weit und es wird die Schöpfungsgeschichte unterrichtet.

- „Mindestanteil der deutschsprachigen Musiktitel von 50% in Hörfunksendungen
Sind wir hier in der DDR? Selbst deutsche Interpreten singen englisch. Was soll ich denn bitteschön hören? Volksmusik? Sorry, aber sowas will ich nicht hören. Niemand kann sich vorschreiben lassen, was er hört. Wieder eine unsinnige Beschneidung der Freiheiten.

- „Erlaß eines Zuwanderungsverhinderungsgesetzes“
Wir leben heute in einer Welt, die über die Grenzen hinweg vernetzt ist, und damit meine ich nicht nur das Internet. Es ist wahnwitzig, anderen Menschen zu verbieten, nach Deutschland zu kommen. Vielmehr muss dafür gesorgt werden, dass diese Menschen ordentlich eingegliedert werden und die Möglichkeit bekommen, die deutsche Staatsangehörigkeit zu bekommen.

- „Wir fordern einen Staat, der Straftaten mit Härte und Entschlossenheit verhindert und sich den Opfern verpflichtet fühlt, nicht den Tätern“ und „empfindliche Strafen bereits bei der sogenannten Bagatellkriminalität“ und „Wiedereinführung von Zuchthaus für Schwerverbrecher“ pp.
Was sich für manchen auf den ersten Blick vernünftig anhört, ist es bei weiten nicht, denn diese Forderung kann man gleichsetzen mit der Aberkennung des Menschseins für den Täter. Auch der Täter ist ein Mensch und hat eine Würde.
Insgesamt liest sich Kapitel 3.2 wie ein Schauerroman, der mit Menschenwürde absolut gar nichts mehr zu tun hat.

- „keine rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und kein Adoptionsrecht für Homosexuelle“
Wo leben wir bitte? Wenn sich jemand in einer gleichgeschlechtlichen Person verliebt, dann sollen sie das Ausleben dürfen. Wieder eine unsinnige Einschränkung der Freiheiten. Jeder soll lieben dürfen, wen er will.

- „Auswahl der Studienanfänger durch die Universitäten“ und „Schaffung von Elitehochschulen“
Solche Maßnahmen schaffen nur eines: Studienabschlüsse sind nicht gleichwertig. Ein Klassensystem auch nach Studienabschluss. Soetwas ist völlig kontraproduktiv.

- „Die Republikaner bekennen sich zur unveräußerlichen Menschenwürde als einem absoluten und unantastbaren Achtungsanspruch eines jeden Menschen. Die Achtung und der Schutz der Menschenwürde stellen den wertausfüllenden Maßstab für das staatliche Handeln dar und setzen insoweit der Legitimität von Recht und Staat Grenzen. Aufgabe eines starken Staates, wie ihn die Republikaner fordern, ist die Garantie der Menschenwürde und der Grundrechte. Die Republikaner sehen daher im Grundrechtssatz von der Menschenwürde die klare Absage an jede Form eines totalitären Kollektivismus und auch eines extremen Individualismus. „
Aber genau gegen diesen Grundsatz widerspricht das Parteiprogramm permanent. Das Parteiprogramm zeugt mE von alles andere, nur nicht von Menschenwürde und Freiheiten.

Da kann ich nur vermuten, wofür „blau wählen“ steht… nämlich für den Zustand, in dem man sich zur Wahl begeben soll, denn anders würde kein vernünftiger Mensch für solch ein Programm stimmen.

Ihr, Euer
M a i k


Bayerntrojaner?

Samstag, 19. Januar 2008

Wir alle warten auf eine Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu Online-Durchsuchungen. Dieses wird im Frühjahr erwartet. Hoffen wir, dass das BVerfG diesem Wahn des gläsernen Bürgers endlich einen Riegel vorschiebt.

Doch Bayern will nicht auf ein Urteil warten. Der bayerische Innenminister Herrmann (CSU) will alsbald ein Landeseigenes Gesetz auf den Weg bringen. Eventuelle Bestimmungen des BVerfG könne man während des Gesetzgebungsprozesses einarbeiten.

Womit wird die Notwendigkeit einer Online-Durchsuchung mal wieder begründet? Mit der Terrorgefahr.
Kann eine Online-Durchsuchung wirklich die Terrorgefahr senken? Ich denke nein.
a) Wer um ein solches Gesetz weiß, wird Umgehungsmaßnahmen ergreifen, sodass nur noch der unbescholtene Bürger, der nichts erwartet, durchsucht werden kann.
b) Laut Schäuble um seinen Bundestrojaner braucht man einen konrketen Verdacht, bevor solche Maßnahmen eingesetzt werden. Gehen wir davon aus, dass Herrmann eine ebensolche Aussage treffen würde. Bloß woher einen konkreten Verdacht nehmen? Eine Online-Durchsuchung bringt nur Sinn, wenn man sie bei einer einfachen Vermutung einsetzt. Aber dann ist es schon Willkür, denn vermuten kann man vieles.

Ist im Anti-Terror-Kampf die Aufgabe der Freiheiten und Menschenrechte wirklich notwendig? Ich sehe nur wenig steigende Sicherheit durch solche Maßnahmen, aber einen extremen Verlust an bürgerlichen Freiheiten. Folglich stehen diese Maßnahmen außerhalb jeden Verhältnisses. Auch wenn es ein klein wenig Sicherheit bringen sollte, was ich bezweifle, dann ist der Preis zu hoch.

Letztendlich gilt: Verlieren wir unsere Freiheiten, dann haben die Terroristen gewonnen. Solche Maßnahmen spielen den Terroristen in den Händen, denn wir verlieren hierdurch unser höchstes Gut: unsere Freiheit. Da muss man sich langsam fragen, wem die Innenminister dienen.

Und an alle die meinen, wer nichts verbrochen hat, muss nichts befürchten: Wollt ihr, dass eine Behörde zB um eure Intimsphäre weiß? Außerdem kann so ein Profil einer Person entstehen, welches bei einer Rasterfahndung hängen bleibt. Und schon hat der, der nichts verbrochen hat, doch etwas zu befürchten.

Lasst uns also hoffen, dass das BVerfG diesem Spuk endlich ein Ende bereitet. Und selbst wenn die Maßnahmen wider Erwarten doch verfassungsmäßig sind… vernünftig sind sie nicht und sollten so oder so unterlassen werden.

Ihr, Euer
M a i k