Bibel nichts für Kinder

Freitag, 22. Februar 2008

Wie bekannt ist lese ich ja gerade “Der Gotteswahn” von Richard Dawkins. Ja, ich lese nicht oft, bin daher noch nicht durch. Jetzt bin ich jedoch an einer Stelle geraten, an der ich schreckliches lesen musste. Nein, nichts schreckliches von Richard Dawkins. Es geht um das Thema, einige Bibelstellen, die er behandelt. Bibelstellen, die ich keinem Kind zumuten würde. Aber leider wird ein Christ nicht davor zurückschrecken.

Ich denke, am besten verstehen kann man es, wenn ich Richard Dawkins “Der Gottswahn” mal zitiere. Ich hoffe, er ist mir nicht böse für diese etwas längeren Zitate:

Eine Entspechung zu Noah ist die Geschichte von Sodom und Gomorrah. Hier bleibt nur Abrahams Neffe Lot mit seiner Familie verschont, weil er als Einziger rechtschaffen war. Zwei männliche Engel werden nach Sodom geschickt: Sie sollen Lot warnen, damit er die Stadt verlässt, bevor es Feuer und Schwefel regnet. Lot bewirtet die Engel gastfreundlich in seinem Haus, woraufhin sich alle Männer aus Sodom rund um sein Domizil versammeln und verlangen, Lot soll ihnen die Engel ausliefern, damit sie - was sonst? - Sodomie mit ihnen treiben können: “Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind diese Nacht? Führe sie heraus zu uns, damit wir uns über sie hermachen.” (1. Mose 19,5). Lot weigerte sich, dem Ansinnen nachzukommen, und dieser Edelmut legt die Vermutung nahe, dass Gott nicht ganz Unrecht hatte, als er ihn als einzigen guten Menschen in Sodom auswählte. Aber Lots Heiligenschein bekommt einen Kratzer, als er die Weigerung mit einem Zugeständnis verknüpfte: “Ach, liebe Brüder, tut nicht so übel! Siehe, ich habe zwei Töchter, die wissen noch von keinem Manne; die will ich herausgeben unter euch, und tut mit ihnen, was euch gefällt; aber diesen Männern tut nichts, denn darum sind sie unter dem Schatten meines Daches gekommen.” (1. Mose 19, 7-9).
Was immer diese seltsame Geschichte sonst noch bedeuten mag, sie sagt sicher etwas darüber aus, welchen Respekt man in einer zutiefst religiösen Kultur den Frauen entgegenbrachte. (Richard Dawkins, Der Gotteswahn, 9. Aufl., Berlin 2007, S. 331 f.)

Ich will nicht verheimlichen, dass die Engel sodann die Töchter retteten. Nichtsdestotrotz zeigt dies die Moral dieses einzig rechtschaffenen Menschen in der Bibelgeschichte auf. Übrigens teile Ich Richard Dawkins Frage, warum Gott nicht etwas gezielter die bösen Menschen (Herzinfakt pp.) beseitigen kann, ohne die armen unschuldigen Tiere mit auszurotten, wobei sich die Frage insbesondere bei Noahs Geschichte stellt. Aber zurück zu Lot:

… lebten sie mit dem Vater in einem Lager im Gebirge. Da es ihnen an männlicher Gesellschaft fehlt, beschließen sie, ihren Vater betrunken zu machen und dann Geschlechtsverkehr mit ihm zu haben. Lot bekommt nichts mit, als seine ältere Tochter zu ihm ins Bett kommt und ihn anschließend wieder verlässt, aber er ist noch nicht zu betrunken, um sie zu schwängern. Am nächsten Abend kommen die Töchter überein, dass jetzt die Jüngere an der Reihe sei. Wieder ist Lot betrunken, merkt nichts und schwängert auch die zweite Tochter (1. Mose 19, 31-36). Wenn diese gestörte Familie die beste ist, die Sodom in Sachen Moral vorzuweisen hatte, dann empfindet man eine gewisse Sympathie mit Gott und seinem Gericht aus Feuer und Schwefel. (Richard Dawkins, Der Gotteswahn, 9. Aufl., Berlin 2007, S. 332)

Soll Kindern jetzt aufgezeigt werden, dass Inzucht mit dem Papa doch gar nicht so schlimm ist?
Aber Richard Dawkins kritisiert noch weitere Bibelstellen, welche ich keinem Kind zumuten würde:

Als sie beim Abendessen sitzen, kommen die Männer aus der Stadt, klopfen an die Tür und verlangen, der alte Mann soll seinen Gast herausgeben, “dass wir uns über ihn hermachen”. Mit fast genau den gleichen Worten wie Lot sagte der alte Mann: “Nicht, meine Büder, tut doch nicht solch ein Unrecht! [...; d.V.] Siehe, ich habe eine Tochter, noch Jungfrau, und dieser hat eine Nebenfrau; die will ich euch herausbringen. Die könnt ihr schänden, wie euch gefällt, aber an diesen Mann tut nicht solche Schandtat!” (Richter 19, 23-24) Wieder kommt die frauenfeindliche Ethik glasklar zum Vorschein. Insbesondere bei der Formulierung “die könnt ihr schänden” läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. (Richard Dawkins, Der Gotteswahn, 9. Aufl., Berlin 2007, S. 333)

Nicht nur dir, lieber Richard Dawkins, auch mir. Und wenn ich dann daran denke, dass Kinder soetwas zu lesen bekommen, wird mir halb schlecht. Aber wehe in einem Schul-Biobuch werden Geschlechtsorgane schematisch dargestellt, da reißen Nonnen diese Seiten raus. Warum machen sie das nicht mit den Seiten der Bibel, wo Frauen vergewaltigt werden sollen?

… berüchtigten Bericht über die Opferung seines Sohnes Isaak. (Muslimische Schriften erzählen die gleiche Geschichte über Ismael, Abrahams zweiten Sohn.) Abraham erhält von Gott den Befehl, seinen geliebten Sohn als Brandopfer darzubringen. Daraufhin baut er einen Altar, schichtet das Brennholz auf und bindet Isaak darauf fest. Er hat das tödliche Messer bereits in der Hand, da reift ein Engel auf dramatischer Weise ein und verkündet, der Plan habe sich in letzter Minute geändert: Gott habe nur Spaß gemacht, habe Abraham “auf die Probe stellen” wollen, um seinen Glauben zu prüfen. Ein heutiger Ethiker muss sich einfach fragen, ob ein Kind sich von einem solchen seelischen Trauma jemals wieder erholen würde. Nach modernen ethischen Maßstäben ist diese widerwärtige Geschichte ein Beispiel für Kindesmisshandlung, eine Schikane in zwei ungleichen Machtverhältnissen und die erste belegte Verteidigung nach dem Muster der Nürnberger Prozesse: “Ich habe nur Befehle ausgeführt.” Dennoch ist diese Legende einer der großen Gründungsmythen aller drei monotheistischen Religionen. (Richard Dawkins, Der Gotteswahn, 9. Aufl.,Berlin 2007, S. 335)

Ja, Gott hätte Abraham eher bestrafen sollen, dafür, dass er seinen eigenen Sohn ohne nachzudenken abschlachten will. Hätte er nämlich nachgedacht, wär ihm vielleicht die Frage gekommen, warum Gott es so will (aber wie es vielen Theisten wohl ergeht, ist diese Frage recht unbekannt). Kein Befehl ist hoch genug, dass man sein Kind abschlachtet.
Und warum machte Gott diese “Probe”? Ist er nicht allwissend? Scheinbar nicht.

Und diese Schauergeschichten stehen im Bücherregal von KINDERN. Ein Roman mit einem vergleichbaren Inhalt würde die Kirche aufm Index sehen wollen, nicht aber im Bücherregal von Kindern. Aber selbst huldigen sie eine solche Schrift.

Natürlich, ich höre schon die Schreie: “Das ist aber das Alte Testament, das gilt nicht mehr!” Also ob die Regeln des alten Testaments durch das Neue aufgehoben wurden, darüber kann man streiten (davon abgesehen würde das nur für die Christen gelten). Ich denke, es gibt genug Anzeichen dafür, dass das Gegenteil der Fall ist. Aber das ist ausdrücklich nicht mein Thema. Diese Geschichten, das gesamte Alte Testament, steht noch in der Bibel, wie sie Kinder lesen könne. Das heißt, sie werden Kindern zum Lesen gegeben. Ob sie nun gelten oder nicht, Kindern wird indoktriniert, die Bibel ist die Heilige Schrift, also werden die durch diese Geschichten trotzdem beeinflusst. Ein Roman, der aus aller Sicht nur Fiktion ist, der aufm Index gehört, hingegen soll von Kindern nicht gelesen werden (richtigerweise). Und außerdem ist die Bibel, auch das Alte Testament, für einen Christen ja Geschichte, geschichtliche Wahrheit (oder wollen die Christen zugeben, es ist nur Fiktion?). Es soll sich also wirklich so zugetragen haben. Und es handelt sich nach wie vor um den selben Gott. Jetzt wird Kindern noch indoktriniert, diesen Gott, der soetwas gutheißt, anzubeten und gutzuheißen.

Das ist übrigens ein Unterschied zu uns Atheisten, wir indoktrinieren unseren Kindern nichts, lassen sie unbeeinflusst, sollte jedenfalls so sein. Und wer es nicht versteht: Ich würde meinen kleinen Kindern (so ich welche hätte) keine Heilige Schrift aufzwingen (auch nicht “Der Gotteswahn” o.ä., um eine Parallele zu finden). Ich würde ihnen gar nichts von Religion sagen, bis das Kind alt genug ist, um selbst Fragen zu stellen. Theisten hingegen drücken ihren kleinen Kindern solche verachtenswerten Geschichten in die Hand und sagen noch, dieser liebe (was ist daran lieb, sollen Kinder jetzt noch falsche Vorstellungen von lieb bekommen?) Gott muss angebetet werden (ohne natürlich zu erwähnen, dass Xenu, Ba’al und Zeus genauso (un)wahrscheinlich die richtigen höheren Wesen sein könnten), sodass sie, wenn sie alt genug sind, “blind” geworden sind. Kinder sind sehr beeinflussbar. Wenn ihnen beigebracht wird, Bibel = gut, dann lesen und lernen sie auch solche Moral.  Angesichts dieser Geschichten wundere ich mich nicht, dass die Frau in der Geschichte einen untergeordneten Rang eingenommen hat und zT heute noch einnimmt, was aber zum Glück durch die menschliche Moral, die nichts mit Religion zu tun hat, abgebaut wird.

Ihr, Euer
M a i k


“Der Gotteswahn”

Donnerstag, 24. Januar 2008

Heute wurde ich um 13:30 von einer SMS geweckt. Ich konnte meine Sendung aus der Packstation holen. Endlich war es da, meine erwartete Bestellung:

Richard Dawkins
Der Gotteswahn
Der Gotteswahn

Ich bin selbst erst auf Seite 63 von weit über 500. Aber jetzt schon finde ich das Buch sehr gut. Dawkins hinterfragt die Religionen, geht auf Argumente, die angeblich für Gott sprechen sollen ein und legt Argumente, die einem Gott widersprechen auf den Tisch. Außerdem beschreibt er, was Religionen schon alles angerichtet haben und widmet ein Kapitel dem Thema “Kinder und Religion”.

Ich kann das Buch jedem Atheisten anempfehlen, der Unterstützung sucht, aber auch jedem Theisten, der Hilfe braucht, die Ketten der Unterdrückung zu sprengen.

Ihr, Euer
M a i k