Drei kurze Lügen zu der langen

Dienstag, 31. März 2009

Heute bekam meine Mutter, die in Berlin lebt, die Abstimmungsbenachrichtigung zum Volksentscheid des Gesetzes von Pro Reli. Anbei war ein kleines Informationsheftchen, wo die Initiatoren Pro Reli, der Berliner Senat und das Abgeordnetenhaus (nicht aber die Gegeninitiative Pro Ethik) ihre Argumente vorstellen. Die Initiatoren von Pro Reli schließen nach ihrem heuchlerischen Haupttext ihre Argumentation mit 3 kurzen Sätzen:

Ja zu ganzheitliche Bildung.
Ja zu Weltoffenheit.
Ja zu Toleranz.

Diese drei Sätze von Pro Reli sind nichts anderes als Lügen, die mit dem angestrebten Gesetz nichts zu tun haben:

Ganzheitliche Bildung? Mitnichten, denn wenn ein Kind von den Eltern in pro-ethik_plakat21Religion gesteckt wird, werden dem Kind nur diejenigen Informationen zugänglich gemacht, die die jeweilige religiöse Gruppe für richtig erachtet. Eine von Religion losgelöste Wertevermittlung, wie sie wir Menschen und selbst geschaffen haben, wird dem Kind damit verschlossen. Folge: eine neutrale und damit ganzheitliche Bildung ist ausgeschlossen.

Weltoffenheit? Mitnichten! Was ist offen daran, wenn die einzelnen Gruppen voneinander getrennt werden, nicht mehr miteinander die von Menschen geschaffenen Werte diskutieren und Einblick in die verschiedensten ethnischen Kulturen erlangen? Der Wahlzwang hat vielmehr zur Folge, dass das Sichtfeld der Kinder, die von den Eltern in den jeweiligen Religionsunterricht gesteckt werden, einen Weltblick aus Sicht der jeweiligen Religion erhalten, was kein Blick neutral auf alle Kulturen sein kann.

Toleranz? Toleranz lernen die Kinder am besten, wenn sie miteinander reden, miteinander die Werte austauschen. Wie soll ein Kind Toleranz erfahren, wenn die anderen ethnischen Gruppen aus dem jeweiligen Unterricht ausgeschlossen sind? Gegeneinander ausschließen klingt alles andere als tolerant.

Der Haupttext der Argumentation ist mit dem Wort „Freiheit“ durchzogen, die Überschrift jedes Absatzes beinhaltet dieses Wort. Allenfalls eine Freiheit, die Unfreiheit zu wählen, keine andere Freiheit sieht dieses Gesetz vor. Wie zB bereits hier und hier dargestellt, ist eine solche angebliche Freiheit alles andere als wahre Freiheit. Die Initiatoren wollen nichts anderes, als die Kinder von neutralem Miteinander zu „befreien“, um sie nach ethnischer Herkunft zu trennen und damit bessere Indoktrinationsarbeit leisten zu können.

Nein, ganzheitliche Bildung, Weltoffenheit, Toleranz und Freiheit werden durch den Wahlzwang ganz bestimmt nicht gefördert, sondern verhindert. Darum an alle Berliner(innen): Am 26.4. NEIN zum Wahlzwang.


Freiheit der Unfreiheit

Mittwoch, 18. März 2009

Die Kampagne „Pro Reli“, die in Berlin für eine staatliche Indoktrination von Religion bei Kindern eintritt, beginnt heute ihren Kampf für die Volksabstimmung über ihr Gesetzesentwurf. Dabei kommen sie mit dem heuchlerischen Slogen „Gleiche Feiheit für Berlin“.

Was für eine „Freiheit“? Solche Freiheit:
Freiheit davor, in der Schule miteinander reden müssen; Freiheit, in der Schule übereinander herziehen zu können. Freiheit davor, dass Heranwachsene ein allgemeines Wissen erlangen um sich später eine eigene Sicht bilden zu können. Letztendlich ist es nur Freiheit vor Fakten.

Nein, das, was „Pro Reli“ will, ist keine echte Freiheit, jedenfalls keine Freiheit der Kinder.  Es ist allesnfalls die Freiheit, die Unfreiheit zu wählen, was dann auch meist von den Eltern bestimmt wird. Es ist wiedermal nur die Freiheit der Kirchen, im Staat weiter Fuß zu fassen. Es ist wieder nur ein Medium der Kirchen und fundamentalistischer Eltern, ihre völlig unbewiesenen und völlig unwahrscheinlichen Behauptungen beeinflussbaren Kindern besser als Wahrheit indoktrinieren zu können.

Staat und Kirche gehören getrennt! Die Begünstigung der Kirchen hat unweigerlich die Benachteiligung aller Konfessionsfreien zur Folge.

Deshalb: Liebe Berliner, am 26. April NEIN zum Gesetzesentwurf von Pro Reli. NEIN zur getarnten Unfreiheit.


BVG pro Reli aber contra Buskampagne

Montag, 16. März 2009

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der Münchener Verkehrs- und Tarivverbund (MVV) haben, nachdem vor 4 Wochen noch eine Unbedenklichkeit erklärt wurde, nunmehr abgelehnt, die Werbebotschaft der Buskampagne an ihren Bussen zu tragen.

Als Begründung wurde angegeben, dass keine religiöse oder weltanschauliche Werbung angenommen wird. An und für sich löblich und zustimmenswert, andererseits jedoch heuchlerisch: Mit der christlichen Indoktrinationskampagne „Pro Reli“ hatte die BVG nämlich vor Kurzem keine Probleme. Nun möchte die BVG aber auch religiöse Werbung aus ihren U-Bahnen entfernen. Das ist Heuchelei, wie es nicht besser geht: Erst religiöse Werbung zulassen und wenn dann doch mal die Gegenseite auf einem zukommt plötzlich auf religionsneutral tun. Wieder einmal erkennt man: Die Religionsfreiheit wird immer so gedreht, dass sie nur für, aber nicht gegen die Kirche gewand wird.

Übrigens: Die Kampagne ist nicht in Gefahr. Wenn die BVG und der MVV bei ihrer Entscheidung bleiben, wird auf alternativen Verkehrsunternehmen oder Werbeträgern ausgewichen. Die Kölner Verkehrsbetriebe haben ihre Zustimmung dem Grunde nach erklärt, jedoch erst für einem späteren Zeitpunkt. Die Kampagne wird also keinesfalls aufgegeben. Vielmehr muss diese Ungleichbehandlung mE klar als Anlass genommen werden, die Kampagne erst recht durchzuführen. Es kann nicht zugelassen werden, dass Kirchenpropaganda überall auf uns einschallt, während uns der Mund verboten wird. Entweder alle oder keiner.

Näheres hier: http://hpd.de/node/6586


Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott.

Sonntag, 15. März 2009

ES GIBT (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) KEINEN GOTT. Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben.

Die Busse können rollen: Nach nur 4 Tagen wurde das erste Spendenziel erreicht, so dass vorerst 3 Busse des ÖPNV in Berlin, München und Köln  bald eine säkulare Werbebotschaft tragen können. Eine Ausweitung des Projektes ist beabsichtigt.

Dabei wurde der Vorschlag „ES GIBT (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) KEINEN GOTT.“ mit 3 verschiedenen Untertiteln knapp vor „GOTTLOS GLÜCKLICH.“ als Werbebotschaft von den Spendern gewählt. Als dritte Alternative stand noch „GOTT IST EINE BEHAUPTUNG.“ zur Wahl.

Ich erhoffe mir sehr durch diese Kampagne, dass auf atheistische Mitbürger aufmerksam gemacht wird, damit diese endlich nicht mehr übersehen oder unter den Forderungen von Theisten (meist durch die Kirche) gestellt werden.  Leider ist es heute immer noch der Fall, dass Nicht-Christen, aber vor allem Atheisten in Deutschland wie Bürger Zweiter Klasse behandelt werden, während die Kirchen in den Himmel gehoben werden und uns ihre Pflichten aufdrücken dürfen.

Zu dem Hintergrund führen die Betreiber der Kampagne auch aus:

Buskampagne.de will die britische Atheist Bus Campaign nach Deutschland bringen. Auch hierzulande haben säkulare Menschen mittlerweile genug davon, ständig „übersehen“ oder missachtet zu werden. Als Anfang sollen in drei Städten (Berlin, Köln und München) Busse beschriftet werden, die öffentlich bekunden, dass eine nicht-religiöse, aufgeklärte Weltsicht eine positive Möglichkeit darstellt. Nicht-Religiöse, Agnostiker und Atheisten sollen wahrnehmen können, dass sie nicht alleine sind. Sie sollen mutiger werden, sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen und sich in die öffentlichen Debatten einzumischen. Das Leben ohne einen Gott kann eine Bereicherung sein: angstfrei, selbstbestimmt, bewusst, tolerant und frei von Diskriminierungen.

Hoffen wir, dass die Öffentlichkeit endlich einsieht, dass Atheisten nicht länger missachtet werden und vielleicht merkt der ein oder andere Theist, dass mit dem ihm von kleinauf eingeimpften Gott irgendwas nicht stimmt. Wenn das erreicht wird, sehe ich diese Kampagne als vollen Erfolg an.