Im aktuellen Newsletter der Giordano-Bruno-Stiftung wird berichtet, wie Bischof Müller aus Regensburg bei einer Predigt wahrheitswidrig Michael Schmidt-Salomon, Vorstandsmitglied der Stiftung, „als geistigen Amokläufer, der Gläubige als Schweine einstuft und Kindsmord befürwortet“ darstellt, um seine These zu Untermauern, Gottesleugner hätten keinerlei Rechte. Ein ausführlicher Artikel ist beim Humanistischen Pressedienst zu finden. (Die vom Bistum im Internet gestellte Fassung der Predigt wurde mittlerweile abgemildert, was aber nicht die Tatsache beseitigt, dass der Bischof derartiges in einer öffentlichen Kundgebung geäußert hat und auch die alte Fassung öffentlich verbreitet ist.)
Zu erst einmal zu der These des Bischofs, Gottesleugner hätten kein Recht auf Leben und Selbstbestimmung: Lieber Bischof Müller, glauben Sie an Zeus und die Götterfamilie? Glauben Sie an Ba’al? Glauben Sie an das Fliegende Spaghettimonster? Wie wärs mit Xenu (gut, kein Gott, aber sowas ähnliches)? Wie wärs mit Buschvolkgott 1 oder Buschvolkgott 2? Nein? Dann leugnen Sie auch Götter! Sie machen das exakt gleiche wie wir! Auch Sie leugnen die Existenz von Milliarden von Göttern, die sich die Menschheit jemals ausgedacht hat, ausdenkt und ausdenken wird. Wir gehen nur einen einzigen Gott weiter. Und Sie haben schließlich kein Beweis, dass Ihr Gott richtig, Zeus aber falsch ist. Sie leugnen auch, dann haben Sie Ihrer eigenen These nach auch keine Rechte mehr.
Nun zum Sachverhalt zurück. Michael Schmidt-Salomon hat den Bischof zu einer Unterlassungserklärung aufgefordert. Aber was für eine Antwort kam? Nein, kein Leugnen der Verläumdung, nein, die Rechtsvertreter des Bischofs haben tatsächlich erklärt, dass die subjektiven Äußerungen im Rahmen dieser Predigt durch die Religionsfreiheit geschützt werden.
Nun schlägts aber echt 13. Die Rechtsvertreter, wohl eher Rechtsverdreher, wollen allen ernstes weißmachen, die Religionsfreiheit sei ein Freifahrtschein für alles? Ich erinnere nur daran, dass Stoiber jede Gotteslästerung am liebsten gleich bestraft hätte. Wo bleibt Stoiber und fordert eine Gefängnisstrafe für den Bischof wegen Lästerung über eine Weltanschauung? Aber nein, Religionsfreiheit gilt ja nur zu Gunsten der Großen Kirchen. Die Ansicht der Rechtsvertreter des Bischofs zeigen mal wieder eines: Die Kirche will Sonder- und Vorzugsrechte. Die Kirchen dürfen sagen, was sie wollen und allein das Kritisieren dieser erlogenen Behauptungen wiederum gilt als nicht mehr zulässiges Angreifen der Religionsfreiheit. Religionsfreiheit nur zu Gunsten der großen Kirchen. Wir müssen uns unterordnen, wir haben keine Rechte. Scheinbar ist die These des Bischofs richtig, wir haben keine Rechte. Aber nicht, weil wir sie von Natur aus nicht hätten, sondern wil die Kirchen sie uns nehmen. Aber nein, wir haben Rechte und wir werden darum kämpfen, dass sie uns nicht von den Kirchen genommen werden. Wir sind auch Menschen, wir haben auch Menschenrechte. Der einzige Unterschied ist, dass wir nicht an völlig unbewiesenen Geschichten glauben wollen. Es ist eine verkehrte Welt, wenn eine unbewiesene Behauptung zu mehr Rechten führt, als das zurückweisen dieser unbewiesenen Behauptungen.
Aber nach Ansicht der Rechtsvertreter ergibt sich aus der Religionsfreiheit wieder mal ein Sonder- und Vorzugsrecht, über uns herzuziehen, aber sicherstellt, dass über die Kirche nix gesagt werden darf.
Schluss mit den Sonder- und Vorzugsrechten! Hoffen wir, dass die Gerichte erkennen, dass die Kirchen nicht tun dürfen, was sie wollen. Die Kirchen müssen langsam verstehen, dass sie nicht alle Macht der Welt haben. Nur weil sie an einer unbewiesenen Behauptung glauben, macht es sie nicht besser.
In der Preditgt behauptet der Bischof mal wieder auch, wir wären für 2 Diktaturen verantwortlich. Diese Behauptung, die ständig wieder kommt und nur davon zeugt, wie wenig diese Behauptung doch durchdacht wird, kann ich so nicht stehen lassen. Ich nehme an, die Rede ist von Hitler und Stalin. Erst einmal: Es gibt Anhaltspunkte, dass Hitler nach wie vor Katholik war. Aber ob nun Katholik oder Atheist, nehmen wir nur Beispiel Stalin, ok. Der Atheismus ist keine Religion, der man beitreten oder aus der man austreten kann. Wenn die Katholische Kirche etwas abartiges machen würde, dann könnte jeder Gläubige sagen, „Ich glaube weiter an Gott, aber will mit der katholischen Kirche nix zu tun haben.“ Er kann die Religion wechseln oder seine eigene gründen, jedenfalls weiterhin an Gott glauben, ohne weiterhin Mitglied der katholischen Kirche zu sein. Das kann ein Atheist nicht. Atheist ist man per definitionem. Man kann nicht sagen „was der Atheismus da macht, gefällt mir nicht, ich trete aus dem Atheismus aus, glaube aber weiterhin nicht an Gott.“ Nein, das geht nicht. Wer nicht an Gott glaubt, ist Atheist. Atheismus ist keine Gruppe (kann als solche also eh gar nichts böses machen), der man beitreten und aus der man wieder austreten kann. Also kann mir auch nicht vorgeworfen werden, was Stalin machte. Nur weil Stalin Atheist war, bin ich nicht wie er. Hitler war Vegetarier. Sind jetzt alle Vegetarier böse? Mitnichten, ich kenn einen sehr netten, der alles andere als rechts ist.
Also, lieber Bischof und auch jeder andere, der dieses scheinheilige Argument nimmt, denkt mal bitte nach, bevor ihr derartigen Blödsinn aussprecht. Aber ein Gläubiger wird euch ja glauben, denn die wollen ja nicht nachdenken, dass das Argument nicht greift, hauptsache sie hören ein Argument, welches sie unterstützt.
Also sprach Maik
Verfasst von maiktrek
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