Am 4. November war Mina Ahadi beim bfg-Erlangen zu Gast und hielt einen Vortrag mit der Überschrift „Leben ohne Allah? Von dem schwierigen Recht, den Islam zu verlassen.“, bei dem ich zugegen war. Wie sie auch in der anschließenden Diskussion betonte, ging es ihr hierbei jedoch primär um die politische Bewegung einer islamische Ideologie, wie sie zB im Iran vorherrscht.
Mina Ahadi, die 1956 im Iran geboren wurde, wurde Januar 2007 auf der Gründungsversammlung zur ersten Vorsitzenden des Zentralrats der Ex-Muslime gewählt. Ihren Lebensweg hat sie in ihrem Buch „Ich habe abgeschworen. Warum ich für die Freiheit und gegen den Islam kämpfe“ (erschienen 2008 im Heyne Verlag) niedergelegt.
In ihrem Vortrag stellte Mina Ahadi zunächst ihr Leben dar. So war zu erfahren, dass sie mit 9 Jahren, in einem Dorf lebend, ganz verhüllt zur Schule gehen musste, nicht wie Jungs auf der Straße spielen durfte und, nach dem Tod des Vaters, von ihrem Bruder bestimmt wurde. Dem standen Großstädte wie Teheran entgegen, wo die Situation viel lockerer war. Nachdem sie durch Bücher ihres Großvaters, ein Atheist, kritisches Denken annahm, wollte sie ebenfalls in die Großstadt. Dort hat sie sodann studiert und auch ihr Kopftuch abgelegt. Nichtsdestoweniger waren Bücher, die gegen den Schah und das System standen, wie zB Marx, auch dort verboten.
Mina Ahadi hat Bewegungen gegen das System unterstützt und an Demonstrationen teilgenommen. Doch dann hieß es plötzlich „islamische Revolution“, die in einem islamischen Regime mündete. Hierdurch wurde sogar alles schlimmer. Frauen wurden unterdrückt, Kopftuch oder Schläge. Tausende wurden ermordet, ob Atheisten, Kommunisten oder auch Muslime, die sich gegen ein solches islamisches System stellten, ja auch Schwangere und Kinder, erzählte sie. Sie selbst hat die Universität verlassen müssen, weil sie sich weiterhin weigerte, ein Kopftuch zu tragen. Weil sie eine Schreibmaschine besessen und gegen das islamische Regime geschrieben hat, wurde sie polizeilich gesucht und, so musste man bedauerlicherweise erfahren, ihr Mann hingerichtet.
Im Iran herrschen nun Faschisten, meinte sie, und erklärte ihre Unterstützung zu den jetzigen Protesten: „Millionen Menschen waren auf der Straße. Es lebe diese Bewegung!“ Sie meint, es tue den Menschen weh, wenn sie in sogenannten islamischen Ländern geschlagen werden und dass diese hierdurch dagegen ankämpfen.
„Was ist Todesstrafe? Staatlicher Mord!“ Mina Ahadi übte starke Kritik über die Todesstrafe durch islamische Regime, insbesondere durch die Praxis der Steinigung. Sie erkläte auch, dass sie mehrfach versucht hat mit den Medien, sie nannte auch einen öffentlich-rechtlichen Sender, über die Steinigung zu reden und hierdurch Aufklärung zu leisten, sah sich aber besorgniserregende Hindernisse entgegenstehen. So wäre zB auch in diesen Ländern eine andere Kultur gegeben. Hierzu musste auch sie sich fragen, ob Menschenrechte von der Kultur abhängen.
Die Problematik der Menschenrechte in sog. islamischen Ländern führte sodann auch zu starker Kritik gegen in Deutschland ansässige islamische Organisationen, aber auch gegen die deutsche Regierung, die auch mit den Organisationen zusammensitzen. So bemängelte sie, dass von den Organisationen kein Wort der Kritik an den Steinigungen fällt und auch die deutsche Regierung lieber Geschäfte mit dem Iran macht, als sich aktiv gegen die Steinigung einzusetzen und fordert Deutschland auf, Islamisten unter Druck zu setzen und sich für die Frauenrechte einzusetzen. Mina Ahadi befürchtet, dass der politische Islam auch in Deutschland Fuß fasst.
Die islamischen Organisationen nehmen sich das Recht, für über 3 Millionen Muslime in Deutschland zu sprechen, die jedoch alle eine andere Meinung haben. Mina Ahadi will hingegen die Menschen sehen und fordert strinkte Neutralität im Staat und nicht die Ansetzung nach Religionen. Deutschland würde mit der Zusammenarbeit mit diesen Organisationen zur Integration beitragen wollen. Jedoch stellte Mina Ahadi klar: „Wenn wir über integration reden, müssen wir alle islamischen und religiösen Organisationen draußen lassen.“ Denn das wäre gegen die Integration.
Zum Abschluss betonte sie, dass sie für Frauen-, Menschen- und Kinderrechte kämpft und wir keine Angst bei diesem islamischen political movement haben dürfen.
Nach dem Vortrag folge sodann eine Diskussion, an der auch viele Muslime partizipierten. Die Betrachtung und Kommentierung der Diskussion folgt alsbald (wobei bereits angemerkt ist, dass ich dem Ende aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr beiwohnen konnte).
Verfasst von maiktrek
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